Verleihung des Titels "Fairtrade Stadt Bad Kreuznach" am 18.02.2013

(Quelle: Presseamt Bad Kreuznach) 

Begrüßungsrede der Oberbürgermeisterin
Dr. Heike Kaster-Meurer
anlässlich der Verleihung des Titels „Fairtrade Stadt Bad Kreuznach“
am 18. Februar 2013

Bad Kreuznach ist jetzt Fairtrade – Stadt!

Wir feiern die Anerkennung zusammen mit den Menschen, die unsere Stadt auf dem Weg zur Fairtrade Stadt voran gebracht haben.
Seit vielen Jahren engagieren sich viele Bürgerinnen und Bürger, insbesondere in der lokalen Agenda, aber auch Schülerinnen und Schüler und Unternehmen in Bad Kreuznach für einen gerechten Handel. Sie engagieren sich hier in Bad Kreuznach, damit Produzenten in Afrika, Asien und Lateinamerika bessere und „faire“ Preise für ihre Produkte erhalten. Ich freue mich, dass immer mehr Bad Kreuznacher Geschäfte, Gastronomiebetriebe, Schulen, Vereine und Veranstalter fair gehandelte Produkte anbieten und nutzen.
Wir haben uns im Stadtrat 2012 gegen Handel mit Produkten aus ausbeuterischer Kinderarbeit ausgesprochen. Es wurde der Beschluss zur Beachtung ökologischer und sozialer Kriterien in der Beschaffung gefasst. Damit wurden die Weichen für eine faire, nachhaltige und soziale Beschaffung gestellt. So stammt beispielsweise der in meinem Büro ausgeschenkte Kaffee aus fairem Handel und wir sind dabei unsere Beschaffer zu schulen, damit sich ein Bewusstsein für die faire, nachhaltige und soziale Beschaffung bildet.
In den sogenannten Entwicklungsländern leben viele Bauernfamilien und Plantagen-arbeiter unter dem Druck des Weltmarktes, der schwankenden Preise und des ausbeuterischen lokalen Zwischenhandels. Die Folgen reichen von Verschuldung über Arbeitslosigkeit bis zur Verelendung. Auch die Arbeitsbedingungen sind oft katastrophal. Vielfach sind gesundheitsschädliche Stoffe im Einsatz, die Arbeiterinnen und Arbeiter haben keinerlei Rechte und Kinder müssen arbeiten, anstatt in der Schule lernen zu können. Obwohl die Stadt Bad Kreuznach keine Entwicklungspolitik  betreiben kann – ist dies eine nationale, eine kommunale Aufgabe. Denn es gilt: „global denken – lokal handeln“.
Die Vorbereitungen für die Bewerbung der Stadt um den Titel „Fairtrade-Stadt“ haben deutlich gemacht, das wir als Stadt mit unseren Bemühungen nur ein Teil des Ganzen sind.  Viele Akteure haben sich diesem Ziel bereits seit längerem verschrieben, und so ist die Auszeichnung der Stadt Bad Kreuznach heute im Rahmen der internationalen Kampagne „Fairtrade Towns“ ein Ausdruck der Wertschätzung dieses breiten Engagements von Bürgerschaft, Handel und Gastronomie sowie Schulen, Politik und Verwaltung. Darüber freuen wir uns und können auch stolz darauf sein. Es geht uns allen um Gerechtigkeit in dieser einen Welt, die wir haben. Und deshalb ist die Auszeichnung heute auch kein Grund sich zurückzulehnen, sondern am gemeinsamen Ziel miteinander weiterzuarbeiten.
Mit der heutigen feierlichen Auszeichnung verbinde ich auch die Erwartung, dass das Thema in den Mittelpunkt der Berichterstattung gerückt wird. Die Berichterstattung  soll den Gedanken, von dem wir hier alle überzeugt sind, hinaustragen in alle Gruppierungen unserer Stadtgesellschaft. Gerechtigkeit und Fairness im Umgang mit anderen Menschen auf diesem Globus kann nicht allein von der „großen“ Politik bewerkstelligt werden, sondern braucht uns alle, jeden einzelnen von uns – als Entscheider in Unternehmen und Gremien, vor allem aber auch als Verbraucher. Wir können Einfluss auf internationale Warenströme nehmen, wir können, wie konkrete Beispiele zeigen, auf die Entwicklung lokaler und regionaler Handelsunternehmen Einfluss nehmen. In Familien und in Schulen wird durch die Bildungsarbeit der Grundstein für den aufgeklärten Verbraucher gelegt, der über den eigenen Tellerrand hinausschaut.
Es herrscht eine enorme Diskrepanz des Wohlstandes zwischen Industrienationen und den sogenannten Dritt- Welt-Ländern. Wir müssen auch hier in Bad Kreuznach ein großes Interesse an einem „nachhaltigen Wohlstand“ haben, denn nur so kann auch unsere Zukunft gesichert werden. Wir haben also auch ein Eigeninteresse, auf der Grundlage unserer Werte und Überzeugungen so zu handeln.
Bad Kreuznach ist beim Thema „fair-trade dabei nicht allein aus ethischen Gründen. Wem die Arbeitsbedingungen bekannt werden, unter denen Billigkleidungsstücke hergestellt werden oder unter denen kleine Kinder in Steinbrüchen arbeiten müssen, der kann das als Verbraucher aus ethischen Gründen nicht gutheißen. 
Bad Kreuznach ist beim Thema „fair-trade dabei nicht allein weil, die Stadt Vorbild sein will – ja sein muss – in Sachen sozialer Gerechtigkeit .
Bad Kreuznach ist beim Thema „fair-trade dabei, vor allem, weil Fairness und Nachhaltigkeit überall in der Welt Bedeutung haben, weil Ursachen und Wirkungen global zusammenhängen und weil Bad Kreuznach mit dem Engagement als Fairtrade- Stadt einen Beitrag leisten kann für wirtschaftliche, soziale und ökologische Nachhaltigkeit in den Entwicklungsländern und damit auch bei uns.
Ich danke allen Beteiligten für das bisher Erreichte und für Ihr Bemühen, den Fairen Handel in Bad Kreuznach weiter voran zu bringen:
• Den Akteuren, darunter den Mitgliedern der Steuerungsgruppe der Lokalen Agenda und den Vertretern und Vertreterinnen des Weltladens, die das Thema schon seit langem bewegt, den Vertretern aus Handel und Gastronomie, denen die Aufnahme fair gehandelter Produkte in ihr Sortiment wichtig ist, den Bad Kreuznacher Schulen, die für eine „generationenübergreifende Nachhaltigkeit“ bei der Befassung mit dem Thema sorgen, den Kirchen, die sich in ihren Gemeinden mit Fragen des fairen Welthandels befassen und allen anderen Mitwirkenden.
• Unserer Verwaltung, die den Beschluss der fairen Beschaffung umsetzt. Sie hat die Steuerungsgruppe begleitet und mitgeholfen ihre Arbeitsergebnisse gebündelt und die Zertifizierung vorzubereiten.
 • Dem Stadtrat, der im vergangen Jahr die Weichen gestellt hat für eine entsprechendes städtisches Engagement
• All denen, die heute den Rahmen unserer heutigen Veranstaltung mitgestaltet haben und der Sparkasse Rhein Nahe als Gastgeber.
Ich wünsche uns allen eine weiterhin gute und erfolgreiche Zusammenarbeit für unser gemeinsames Ziel und vor allem viel Freude dabei.

Der Weltladen zieht um !!

Liebe Kunden, liebe Freunde und Unterstützer,

Anfang 2013 wird der Weltladen Bad Kreuznach in eines der Brückenhäuser (Mannheimer Straße 90) umziehen.

Der genaue Termin wird noch rechtzeitig bekannt gegeben.
Wir freuen uns, Sie auch dort begrüßen zu können.

Wir wünschen Ihnen ein friedvolles und besinnliches Weihnachtsfest und alles Gute für das Neue Jahr.

Der Vorstand

Fairtrade-Stadt

Logo: Kampagne Fairtrade TownsMit der Verleihung des Titels Fairtrade Stadt soll die Idee des Fairen Handels in der Öffentlichkeit weiter verbreitet werden. Die Menschen in den vergleichsweise wohlhabenden Städten und Ländern des Nordens wollen damit zeigen, dass sie Verantwortung für die Menschen in den Entwicklungsländern übernehmen, indem sie deren Produkte zu einem fairen Preis abnehmen. Die Idee der Fairtrade Städte stammt aus Großbritannien, wo es heute (Juli 2013) bereits mehr als 500 Fairtrade Towns gibt. Weltweit sind es über 1200 Fairtrade Städte in 24 Ländern. In Deutschland war Saarbrücken die erste Fairtrade Stadt. Inzwischen sind 170 weitere Städte hinzu gekommen.

In Bad Kreuznach wurde die Urkunde über die Auszeichnung als Fairtrade Stadt vom Vorsitzenden des Vorstandes der Siegelorganisation Transfair (Köln), Herrn Heinz Fuchs, am 18. Februar 2013 in einer Feierstunde an Frau Oberbürgermeisterin, Frau Dr. Kaster-Meurer, überreicht.

Verleihung der Urkunde

Kriterien

Voraussetzung für die Auszeichnung ist die Erfüllung von fünf Kriterien:

  • ein Ratsbeschluss, einen Antrag auf Verleihung des Titels „Fairtrade Stadt“ zu stellen und fair gehandelten Kaffee bei Gemeinderatssitzungen oder im Büro der Oberbürgermeisterin auszuschenken;
  • die Gründung einer lokalen Steuerungsgruppe;
  • ein Angebot von mindestens zwei Fairtrade Produkten in mindestens neun Einzelhandelsgeschäften und fünf Gastronomiebetrieben der Stadt;
  • ein Angebot von Fairtrade Produkten in Schulen, Kirchen und Vereinen;
  • die örtliche Presse berichtet mindestens viermal im Jahr über das Projekt „Fairtrade Stadt“.
  • Gewünscht wird ferner ein Ratsbeschluss gegen einen Erwerb von Produkten aus ausbeuterischer Kinderarbeit sowie Bildungsarbeit zum Fairen Handel an den Schulen der Stadt.

Steuerungsgruppe

Die Steuerungsgruppe „Fairtrade Stadt Bad Kreuznach“ wurde auf Initiative des Weltladens am 19. März 2012 gegründet. Ihr gehören zurzeit16 Personen aus einem breiten Spektrum von Organisationen der Stadt sowie eine Vertreterin der Stadtverwaltung an:

  1. Ilse Rapp (Vorsitz), Weltladen Bad Kreuznach
  2. Karsten Levsen, Weltladen Bad Kreuznach
  3. Traute Wiemann, Weltladen Bad Kreuznach
  4. Ute Ackermann, Regiomarkt
  5. Bärbel Germann, Stadtverwaltung
  6. Manfred Thesing, Netzwerk am Turm
  7. Siegfried Pick, Ausländerpfarrer, Arbeitskreis Asyl
  8. Claus Clausen, Pfarrer, Johannes Gemeinde
  9. Claudia Becker-Nürnberg, Lehrerin, Lina-Hilger-Gymansium
  10. Dr. Anette Esser, Scivias Institut
  11. Gustav Kannwischer, Baptistengemeinde
  12. Holger Werries, Baptistengemeinde
  13. Karola Seelig, Pro City e.V.
  14. Dr. Michael Vesper, Gesundheit und Touristik GmbH
  15. Andreas Esch, Caritas Bad Kreuznach
  16. Sabrina Waldeck, Caritas Bad Kreuznach
  17. Uwe Fasing, Restaurant Dean und David

Die Steuerungsgruppe hat in bisher sechs Sitzungen insbesondere die Bewerbung um die Verleihung des Titels Fairtrade Stadt vorbereitet und begleitet und die Erfüllung der erforderlichen Kriterien überwacht. Sie hat darüber hinaus einen Malwettbewerb an den drei Gymnasien der Stadt zum Thema „Fairer Handel“ initiiert. Nach der Titelverleihung möchte sie sich vermehrt der Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit zum Thema Fairer Handel zuwenden.

Veranstaltungen

30. Oktober 2013, 19:00h: Vortrag von Dr. Sabine Ferenschild „Arbeitsbedingungen in asiatischen Bekleidungsfabriken“, Bonhoeffer Haus, Kurhausstr. 6, 55543 Bad Kreuznach